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Wer war Joachim Ringelnatz?

Joachim Ringelnatz, eigentlich Hans Bötticher, wurde am 7. August 1883 in Wurzen bei Leipzig als jüngstes von drei Geschwistern geboren. Sein Vater war Musterzeichner und als Autor humoriger Texte bekannt. Die Mutter zeichnete ebenfalls, entwarf Muster für Perlstickereien und stellte Puppenbekleidung her.

 

Ringelnatz verfasste bereits in frühen Jahren Gedichte.

 

Nach seinem eher mäßigen Schulabschluss heuerte er als Leichtmatrose auf mehreren Schiffen an und entdeckte die Weltmeere.

In Hamburg absolvierte er eine kaufmännische Lehre und ging später vielen verschiedenen Gelegenheitsarbeiten nach.

In München verkehrt Ringelnatz in intellektuellen Kreisen und lernt das Kabarett, den „Simplicissimus“ kennen. Schon bald trug er dort seine eigenen Texte vor und avancierte zum gefeierten Hausdichter.

 

Gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Bötticher in der Kaiserlichen Marine eingesetzt. Er war die längste Zeit in Cuxhaven stationiert. Unter großen Anstrengungen errang er dort 1917 die Beförderung zum Leutnant zur See und wurde Kommandant eines Minensuchbootes.

 

Hier fand sich Zeit für weitere Texte seiner Novellensammlung "Die Woge", die aber wegen der Zensur nicht erscheinen durfte. Aber er publizierte Kriegsnovellen in verschiedenen Zeitschriften.

 

Das Ende des Krieges erlebte er als Kommandant einer Flugabwehrbatterie in Cuxhaven-Sahlenburg. In Cuxhaven sympathisierte er mit der Novemberrevolution, die er aber rasch in Anarchie enden sah.

 

Diese für ihn so wichtige und prägende Zeit des ersten Weltkrieges hat er in seiner Autobiographie „Als Mariner im Krieg“ festgehalten und detailliert den Kriegsalltag, aber auch den Alltag der Bevölkerung beschrieben. Es ist ein Stück Stadtgeschichte Cuxhavens.

 

Hier beschloss er auch am Ende des 1. Weltkrieges, zukünftig nur noch als Künstler zu arbeiten und nahm den neuen Namen Joachim Ringelnatz an.

 

1919 ging er zunächst nach München und benutzte erstmalig das Pseudonym Joachim Ringelnatz für seine „Turngedichte“.


Ein Jahr später heiratete er Leonharda Pieper, die er mit dem Kosenamen "Muschelkalk" bedachte. Nach diversen erfolgreichen Auftritten u.a. in der Berliner Kleinkunstbühne "Schall und Rauch" begann sein Leben als reisender Vortragskünstler durch Deutschland. Die Gedichtsammlungen "Kuttel Daddeldu und das schlüpfrige Leid" sowie die "Turngedichte" erschienen.

Ringelnatz etablierte sich rasch in Berlin in Kabarett- und Theaterkreisen. Er pflegte Freundschaften zu den Künstlern und Galeristen wie Renée Sintenis, Karl Hofer, Otto Dix, Asta Nielsen, George Grosz.

 

Er widmete sich intensiver der Malerei. Dies führte dazu, dass im Jahr 1923 eine erste und erfolgreiche Auktion seiner eigenen Gemälde stattfand. Weitere Ausstellungen und Auktionen im In- und Ausland sollten folgen.

 

1928 erscheint sein autobiographischer Roman "Als Mariner im Krieg".

Er zieht Ende 1929 mit seiner Frau nach Berlin, wo er sich der Künstlervereinigung "November-Gruppe" anschließt. Es folgen weitere Veröffentlichungen, wie "Mein Leben bis zum Kriege" oder das "Geheime Kinder-Verwirr-Buch".

1932 gastiert Ringelnatz zum letzten Mal im "Simpl", veröffentlicht weitere Bücher und Bühnenstücke bis ihm 1933 die Nationalsozialisten Auftrittsverbot und Arbeitsverbot erteilen. Seine Bücher enden 1933 auf den Scheiterhaufen der Bücherverbrennungen. Seine Gemälde werden aus der Öffentlichkeit verbannt.

 

Es ging ihm psychisch und physisch schlecht, weil er an Tuberkulose erkrankte. Der fast mittelose Dichter wurde von Freunden durch öffentliche Aufrufe, private Spendenaktionen oder durch Wohltätigkeitkonzerte unterstützt.

Ringelnatz begann einen letzten Roman zu schreiben, der ein Fragment bleibt und postum in "Der Nachlaß“ von Joachim Ringelnatz veröffentlicht wird.

 

Am 17.November 1934 starb Joachim Ringelnatz in seiner Berliner Wohnung und wurde auf dem Berliner Waldfriedhof an der Heerstraße beigesetzt.

 

Viel weiteres Wissenswertes um und über Ringelnatz erfahren die Besucher im Joachim-Ringelnatz- Museum in der Südersteinstraße 44, 27472 Cuxhaven.

www.ringelnatzmuseum.de